Tipps zu chronischer Krankheit und Schule

Elternbrief

Wie einfach war doch die Grundschulzeit, als Ihr Kind es noch ganz normal fand, dass Sie als Eltern die Aufklärung und Information der Lehrer:innen und anderen Verantwortlichen über die chronische Erkrankung übernehmen… Jetzt wird Ihr Kind erwachsen und hat plötzlich eigene Vorstellungen davon, wem was (nicht) gesagt wird!

Pubertätsbedingt möchte Ihr Kind sein wie alle anderen. Die Erkrankung stellt einen vermeintlichen Makel dar, der geheim gehalten werden soll. Vielleicht hat Ihr Kind auch Angst vor Mobbing und Ausgrenzung. Und dennoch ist es ja wichtig, dass zumindest ausgewählte Personen informiert sind.

Wir haben für Sie Tipps gesammelt, wie Sie diesen Drahtseilakt gemeinsam mit Ihrem Kind meistern können.

Information is the key!

Überlegen Sie gemeinsam, wer informiert werden soll und wie.

Mindestens die/der Klassenlehrer:in und ein:e Mitschüler:in sollten Bescheid wissen. Kann es zu akuten Notfällen kommen, ist das ein Muss. Nutzen Sie verständliche Informationsblätter (z.B. von Selbsthilfevereinigungen), ärztliche Atteste und ggf. Therapiepläne oder Notfallbehandlungspläne. Für die Therapie im Schulalltag und eventuelle Notfälle ist wichtig zu wissen:

  • Müssen Medikamente eingenommen werden?
  • Sind Erinnerungen oder Hilfestellungen nötig?
  • Müssen Lehrer:innen für Notfallsituationen geschult werden?
  • Liegt ein schriftlicher Verhaltens- oder Medikamentenplan für Notfälle vor? Wenn ja, wo?
  • Sind die Eltern jederzeit telefonisch erreichbar?

Schweigen ist silber, Reden ist gold?

Der Wunsch die Erkrankung vor der Klasse zu verheimlichen ist nachvollziehbar, aber selten eine gute Lösung.

Die Schule ist grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Vor der Klasse raten wir zu einem offenen und selbstbewussten Umgang mit der Erkrankung. In der Regel trägt die Aufklärung der Mitschüler:innen zu mehr Verständnis und zum Abbau von Vorurteilen bei. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und in Absprache mit der Schule:

  • Worüber wird die Klasse informiert? Bei schwerwiegenden oder stigmatisierenden Erkrankungen kann es sinnvoll sein, zwar über das Kranksein und die mögliche Therapie, aber nicht über die Diagnose zu informieren.
  • Wird die ganze Klasse informiert oder nur ausgewählte Mitschüler:innen?
  • Wer informiert über welche konkreten Aspekte?
  • Wie kann auf dumme Sprüche oder Diskriminierung reagiert werden?

Die ungeliebte Sonderrolle

Ein Herausstechen durch die Krankheit ist nicht immer vermeidbar.

Vielleicht fühlen sich Mitschüler:innen ungerecht behandelt, weil es vermeintliche Vorteile gibt, vielleicht finden manche Lehrer:innen besondere Regelungen auch überflüssig. Sollten Konflikte entstehen, wenden Sie sich zur Schlichtung frühzeitig an die/den Vertrauenslehrer:in oder die/den Schulsozialarbeiter:in.

Benachteiligungen ausgleichen!

Durch die UN-Behindertenrechtskonvention gilt, dass alle Schüler:innen die gleichen Chancen erhalten müssen.

Die Schule ist verpflichtet, Bedingungen zu schaffen, dass Schüler:innen mit Handicap keine Nachteile beim schulischen Lernen oder bei Prüfungen wegen ihrer Erkrankungen erfahren. Gegebenenfalls hat Ihr Kind also Anspruch auf einen Nachteilsausgleich. Nachteilsausgleiche sind vielfältig und werden je nach Beeinträchtigung festgelegt. So können Sie vorgehen:

  • Überlegen Sie mit Ihrem Kind, welche Nachteile es im Schulalltag hat und was als Ausgleich helfen könnte.
  • Besprechen Sie das Vorhaben mit dem Behandlungsteam, diese haben meist Erfahrung, was bewilligt wird und was nicht.
  • Zur Beantragung stellen Sie einen formlosen Antrag an die Schulleitung. Ein ärztliches Attest über die konkrete Beeinträchtigung und mögliche Ausgleiche ist beizulegen.
  • Ist der Ausgleich bewilligt, gilt er verbindlich für den vereinbarten Zeitraum und muss von allen Lehrer:innen berücksichtigt werden.
  • Der Nachteilsausgleich darf nicht zu einer Abwertung der Leistungen führen. Deswegen sind auch Hinweise in Zeugnissen nicht erlaubt.

…und wie geht es nach der Schule weiter? Hier finden Sie Informationen zur Berufswahl mit chronischen Erkrankungen.

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