A little party never killed nobody

Elternbrief

In der Pubertät steigt die Abenteuerlust, neue Aktivitäten werden ausprobiert und der Wunsch auf Partys zu gehen und dort Alkohol zu trinken, Zigaretten zu rauchen und vielleicht sogar illegale Drogen auszuprobieren, gehört auch dazu. Es ist eine natürliche Entwicklung im Jugendalter und notwendig für die Identitätsfindung und die Entwicklung von Unabhängigkeit.

Es ist Samstagabend, 20 Uhr und während Ihr Kind aus der Haustür rennt, ruft es Ihnen noch kurz „Bin jetzt weg, bis morgen!“ ins Wohnzimmer rein. Und Sie bleiben auf dem Sofa sitzend zurück und fragen sich, wo und mit wem Ihr Kind eigentlich heute Nacht wohl um die Häuser zieht…

Alles ganz normal soweit! In der Pubertät steigt die Abenteuerlust, neue Aktivitäten werden ausprobiert und der Wunsch auf Partys zu gehen und dort Alkohol zu trinken, Zigaretten zu rauchen und vielleicht sogar illegale Drogen auszuprobieren, gehört auch dazu. Es ist eine natürliche Entwicklung im Jugendalter und notwendig für die Identitätsfindung und die Entwicklung von Unabhängigkeit.

Angst vor Kontrollverlust

Diese neuen Erfahrungen bereiten nahezu allen Eltern Sorgen. Für Eltern, deren Kind an einer chronischen Krankheit leidet, kommt jedoch die Angst hinzu, dass die Therapie vernachlässigt wird und es kommen viele weitere Fragen auf:

Haben die schlaflosen Nächte Auswirkungen auf die Gesundheit meines Kindes?

Wie wirkt sich Alkohol auf die Krankheit aus? Verschlimmert er die Krankheit? Wieviel Alkohol ist noch in Ordnung?

Darf mein Kind mit seiner Krankheit rauchen? Wie reagiert es, wenn ihm andere eine Zigarette anbieten?

Und wie steht es überhaupt mit dem Gebrauch von anderen illegalen Substanzen?

Sie können Ihr Kind nicht einsperren, um es von diesen Dingen fernzuhalten. Generelle Alkohol- oder Partyverbote führen in der Regel nur zu Widerstand und Heimlichkeiten! Vielleicht erinnern Sie sich jetzt gerade an Situationen aus Ihrer eigenen Jugend…

Alkohol in kleinen Mengen hat bei den meisten Krankheiten keine dramatischen Auswirkungen. Das Problem ist viel mehr der übermäßige und unkontrollierte Konsum. Ziel ist es also, die/den Jugendliche:n zu einem bewussten Umgang anzuleiten und sie/ihn darin zu bestärken, im Zweifelsfall „Nein“ zu sagen.

Rauchen ist bei den Jugendlichen heute kein großes Thema mehr. Nach einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rauchen nur noch ca. 6% der 12- bis 17-Jährigen: So wenig wie nie zuvor! Allerdings nimmt der Konsum von Wasserpfeifen-Tabak („Shisha rauchen“) und E-Zigaretten („Vapes“) zu. Die genauen kurz- und langfristigen Gesundheitsbelastungen sind hier noch nicht genau erforscht, beides sollte aber insbesondere für Jugendliche mit Atemwegserkrankungen oder einem erhöhten Risiko für Gefäßerkrankungen ein Tabu sein.

Cannabis ist mit großem Abstand die illegale Droge, die am häufigsten von Jugendlichen konsumiert wird. Über 10% der 12- bis 17-Jährigen haben schon mal einen Joint geraucht. Die in Cannabis enthaltenen Stoffe können im schlimmsten Fall zu Psychosen führen. Außerdem enthält der Cannabisrauch mehr krebserregende Stoffe als Tabakrauch: Bei langfristigem Konsum ist somit auch das Risiko für Lungenkrebs erhöht.

Bei anderen illegalen Substanzen kommt (neben den allgemeinen Gefahren) hinzu, dass man nicht vorhersagen kann, wie der Körper auf die Droge reagiert oder wie sie mit den Medikamenten interagieren. Vor allem bei Erkrankungen, die einen kühlen Kopf für die Therapie erfordern, sind Drogen ein No-Go.

Aufklärung ist das A und O!

Jugendlichen fehlt häufig das Wissen zu Alkohol & Co oder wie genau sich ein veränderter Schlafrhythmus und ausgiebiges Tanzen auf die Krankheit auswirken können. Die Eltern scheiden bei diesen Themen leider meistens als Ansprechpartner:in aus, weil ihr Kind mit einer empörten Reaktion rechnet. Und im Internet lässt sich für Jugendliche nicht immer erkennen, wie zuverlässig die gefundenen Informationen sind. Aus diesen Gründen sollte das Behandlungsteam ein Gespräch mit der/dem Jugendlichen führen.

Lassen Sie Ihr Kind zunächst alleine mit dem Arzt reden. So kann es ihm alle seine Fragen ohne Druck und elterliche ‚Kontrolle‘ stellen. Bei Bedarf können Sie danach noch einmal selbst mit dem Arzt reden. Das Wissen nimmt Ihnen die Angst und gibt Ihrem Kind Sicherheit.

Vielleicht bietet Ihr Behandlungsteam sogar für Jugendliche und deren Eltern spezielle Schulungen zu diesen Jugendthemen an. Fragen Sie nach!

Haben Sie Vertrauen

Ihre elterlichen Sorgen, wenn Ihr Kind sich die Samstagnacht um die Ohren schlägt, sind ganz natürlich. Aber Sie können Ihr Kind nicht kontrollieren, sondern müssen vor allem Vertrauen haben.

Lassen Sie Ihrem Kind die Möglichkeit Ihnen zu beweisen, dass es eigenständige und gut überlegte Entscheidungen treffen kann!

Und vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es -egal was auch passiert- immer zu Ihnen kommen kann. Das ist eines der schönsten Geschenke, die Sie Ihrem Kind machen können. Und Ihr Kind wird es Ihnen später danken, auch wenn es das jetzt noch nicht zeigt.

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